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18.12.2017 :

Partizipation von Kindern und Jugendlichen

Was bedeutet Partizipation f├╝r die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark?

Meist wird f├╝r Kinder und Jugendliche geplant und gestaltet, anstatt mit ihnen gemeinsam an Ideen und Projekten zu arbeiten. Kinderrechte ernst zu nehmen bedeutet, Kinder und Jugendliche an allen sie betreffenden Prozessen teilhaben zu lassen ÔÇô in der Politik, in der Wohn- und Spielraumgestaltung, in der Stadtplanung, in der Schule, in den Medien, ÔÇŽ

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark unterst├╝tzt und f├Ârdert die Idee, dass Kinder und Jugendliche am ├Âffentlichen, politischen und kulturellen Leben teilnehmen und so ihre W├╝nsche und Interessen kundtun k├Ânnen. Kinder und Jugendliche sollen die M├Âglichkeit haben begleitet an Entwicklungsprozessen teilzunehmen, ihre Standpunkte darzulegen und auf diese Weise nicht nur zum gegenseitigen Verst├Ąndnis, sondern auch zu ganzheitlicheren und somit nachhaltigeren L├Âsungen beizutragen. F├╝r die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark ist eine wesentliche Voraussetzung der Partizipation, dass Kinder und Jugendliche als Expert/innen f├╝r ihr Lebensumfeld angesehen und anerkannt werden.

In der UN-Kinderrechtskonvention ist das Recht auf Partizipation verankert (Art. 12 und 15) und die Achtung der Meinung der Kinder und Jugendliche zu einem der vier Grundprinzipien erhoben. Die Ber├╝cksichtigung des Kindeswohls (Art. 3) ist ein weiteres Grundprinzip, das aufs Engste mit der Partizipation verkn├╝pft ist. Auch im Bundesverfassungsgesetz ├╝ber die Rechte von Kindern ist in Artikel 4 das Recht auf angemessene  Beteiligung und Ber├╝cksichtigung der Meinung des Kindes festgeschrieben. Auf Basis der UN-KRK und des BVG ├╝ber die Rechte von Kindern agiert die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark f├╝r steirische Kinder und Jugendliche und achtet auf die Einhaltung der darin formulierten Rechte. Sie ist starke Partnerin f├╝r Kinder und Jugendliche, unterst├╝tzt sie in der Artikulation ihrer Anliegen und tritt auch stellvertretend f├╝r diese ein.

Zwei besondere Instrumente zur F├Ârderung der Partizipation wurden von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark ins Leben gerufen:

Die TrauDi!, der steirische Kinderrechtepreis, wurde in den Jahren 2004-2013 f├╝r Projekte vergeben, die Kinder und Jugendliche in ihren Rechten unterst├╝tzen und ihnen eine aktive (Mit-)Gestaltung erm├Âglichen. Mit ihr setzte die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark in Kooperation mit dem Kinderb├╝ro ein deutliches Zeichen f├╝r eine kinder- und jugendgerechtere Gesellschaft und f├Ârdert institutionelle Rahmenbedingungen f├╝r mehr Mitbestimmungsm├Âglichkeiten f├╝r Kinder und Jugendliche in der Steiermark.

Der Kindergerechtigkeits-Check bietet die M├Âglichkeit, die Auswirkungen einer Verordnung, eines Gesetzes oder von Verwaltungsvorschriften auf Kinder und Jugendliche zu beurteilen. Mit ihm soll das Bewusstsein von Entscheidungstr├Ąger/innen und NGOs f├╝r die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen gesch├Ąrft werden. Entscheidungstr├Ąger/innen haben Verantwortung auch f├╝r Kinder und Jugendliche, die nicht nur unsere Zukunft, sondern auch (ge)wichtiger Teil unserer Gegenwart sind. Kinderrechte m├╝ssen auf jeden Fall in Entscheidungsprozessen ber├╝cksichtigt werden ÔÇô im Idealfall sind Kinder und Jugendliche direkt in diese miteinzubeziehen. Denn Entscheidungen, die heute getroffen werden, beeinflussen die gegenw├Ąrtigen und haben Auswirkung auf die zuk├╝nftigen Lebensumst├Ąnde.

Was zeichnet unserer Meinung nach ein gelungenes Partizipationsprojekt aus?

Gelungen ist ein Partizipationsprojekt dann, wenn Kinder und Jugendliche nicht nur theoretisch, sondern auch tats├Ąchlich an den sie ber├╝hrenden Entscheidungsprozessen als freie und gleichberechtigte Subjekte teilnehmen k├Ânnen. Dazu m├╝ssen ihnen das Recht und die Zug├Ąnge zur aktiven Mitwirkung und Mitgestaltung einer gemeinsamen L├Âsung zuerkannt werden. 

H├Ąufig verh├Ąlt es sich so, dass weder Kinder/Jugendliche noch die anderen am Entscheidungsprozess Beteiligten so recht wissen, wie sich faktisch eine gemeinsame L├Âsung entwickeln l├Ąsst. Daher ist es f├╝r ein gelungenes Partizipationsprojekt unerl├Ąsslich, zun├Ąchst ├╝ber die Partizipationsm├Âglichkeiten und auch ├╝ber den Sachverhalt, der der Entscheidung zugrunde liegt, zu informieren. Diese Information muss leicht zug├Ąnglich und f├╝r die jeweiligen Zielgruppen verst├Ąndlich aufbereitet sein. Zudem ist es notwendig die Heterogenit├Ąt der individuellen Voraussetzungen, die unterschiedlichen Zug├Ąnge, Motivationen und Kompetenzen der Beteiligten zu ber├╝cksichtigen. Es braucht umfangreiches Hintergrundwissen ├╝ber die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen, das auch konzeptionell ber├╝cksichtigt werden muss. Diese Vorarbeiten scheinen aufw├Ąndig, wirken sich aber ausgesprochen positiv auf eine nachhaltige L├Âsungsfindung aus.

Partizipation ist ein Lernprozess. Die/Der Einzelne muss lernen die eigenen Interessen auszuhandeln, Kompromisse zu finden, die Meinung der anderen nicht nur anzuh├Âren, sondern auch zu respektieren und mit der eigenen in einen Diskurs treten zu lassen. ├ťberdies muss auch erlernt werden, dass andere Sichtweisen die eigene bereichern k├Ânnen, dass man sich nicht immer durchsetzen kann und dass gemeinsame L├Âsungsfindung allumfassender, tiefgr├╝ndiger und erfolgreicher ist, als eine alleinige. Eine gemeinsame Entscheidungsfindung setzt voraus, dass eigene Interessen erkannt und eingebracht und darauf basierend L├Âsungen gemeinsam entwickelt werden. Diese gemeinsam erarbeiteten L├Âsungen sind dann gemeinsam zu pr├╝fen und im Bedarfsfall zu adaptieren oder revidieren.

Wem n├╝tzt Partizipation von Kindern und Jugendlichen?

1992 verpflichtete sich ├ľsterreich mit der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention die Rechte der Kinder (als Kind wird ÔÇ×jeder Mensch, der das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatÔÇť bezeichnet, vgl. Art. 1) ernstzunehmen und daf├╝r zu sorgen, dass diese eingehalten werden (vgl. Art. 4).  Das gilt auch f├╝r das Recht auf Partizipation. Daher sollte die Frage nach N├╝tzlichkeit nicht die Frage beantworten, ob sich Partizipation lohnt und ob man sie zulassen soll, weil Partizipation ein zugestandenes und einzuhaltendes Recht der Kinder und Jugendlichen ist und keiner Rechtfertigung bedarf.

Aber die nachweisbare N├╝tzlichkeit ├╝berzeugt vermutlich so manche Institution den Schritt leichter zu wagen Kinder und Jugendliche in Entscheidungsprozesse einzubinden. Einige Vorteile von Mitbestimmung sind:

  • nachhaltigere und somit langfristig finanziell g├╝nstigere L├Âsungen aufgrund eines breiteren Konsenses unter Ber├╝cksichtigung verschiedenster Sichtweisen
  • Verantwortung f├╝r die gemeinsam gefundene Entscheidung, demokratische Handlungskompetenz, Erfahren von Demokratie als wertvolles und sch├╝tzenswertes Gut
  • Erlernen verschiedenster konstruktiver Diskussions- und Entscheidungsmethoden und eines respektvollen Umgangs miteinander
  • balanciertes Machtverh├Ąltnis zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen
  • Wahrnehmen der eigene Rechte

Was w├╝nscht sich die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark f├╝r die Zukunft, damit die aktive Partizipation von Kindern und Jugendlichen m├Âglich wird? 

  • Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark w├╝nscht sich, dass die Entscheidungstr├Ąger/innen Mut beweisen und mit Pilotprojekten starten, aus denen dann Ablaufmodelle f├╝r Partizipation von Jugendlichen entwickelt werden k├Ânnen, die in weiterer Folge zu evaluieren und zu optimieren sind. So soll Partizipation von Kindern und Jugendlichen zur Selbstverst├Ąndlichkeit werden.
  • Da Partizipation auch kurzfristig finanziell aufw├Ąndig ist ÔÇô die langfristigen finanziellen Folgen der Ergebnisse, die ohne Beteiligung der Kindern und Jugendlichen zustande gekommen sind, sind nur schwer messbar, wenngleich sie nachweisbar sind ÔÇô, ist es notwendig, ├╝ber Finanzierungsmodelle nachzudenken, die Partizipation erm├Âglichen. Zudem sind die Einhaltung gewisser Qualit├Ątsstandards, wie beispielsweise Freiwilligkeit, gemeinsame Zielformulierung, kompetente Begleitung und andere zu kontrollieren und politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die Partizipation von Kindern und Jugendlichen erm├Âglichen.